Jüdische Geschichte von Gauersheim

Judenfriedhof im Winter

Die jüdische Gemeinde Gauersheims umfasste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts rund ein Viertel der Ortsbevölkerung. Die Anzahl der jüdischen Einwohner stieg zunächst mit der Einwohnerzahl von 111 (1802), bis auf 173 (1837).[Anm. 1] Ab Mitte des 19. Jahrhunderts sank die Zahl jüdischer Bewohner auf 23 (1925).[Anm. 2] Bereits ein Jahr vor der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion, bei der alle Juden aus den Gauen Baden und Saarpfalz im Oktober 1940 nach Gurs in Südfrankreich deportiert wurden, lebten keine Juden mehr im Ort. Insgesamt fielen 27, nach anderen Quellen 28, in Gauersheim geborene oder länger wohnhafte Juden der Schoa zum Opfer. Sie trugen zumeist die Nachnamen Blum oder Fröhlich.[Anm. 3]

Die Gemeinde besaß eine Synagoge (Friedhofstraße 3/5), die in der Reichspogromnacht zerstört und unter Einberechnung der Abbruchkosten an die politische Gemeinde verkauft wurde, die das Gebäude 1940 abreißen ließ. Des Weiteren besaß die Gemeinde eine eigene Schule, an der 1869 noch zehn Kinder unterrichtet wurden, sowie ein rituelles Bad.[Anm. 4]Der jüdische Friedhof mit seinen 108 Grabsteinen ist heute das einzige sichtbare Zeugnis jüdischen Lebens in Gauersheim.[Anm. 5]

Aus Gauersheim stammen die Vorfahren und des jüdischen Philosophen Ernst Bloch. Sein Vater Markus, der sich später Max nannte, kam hier 1853 zur Welt.[Anm. 6]

verwendete Literatur

  • Bundesarchiv (Hg.): Gedenkbuch, https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/ (Aufruf 10.06.2026)
  • Kukatzki, Bernhard: Die pfälzischen Vorfahren des Philosophen Ernst Bloch, https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20195/Ernst_Bloch_und_Gauersheim.pdf (Aufruf 10.06.2026)

Anm. 1: Frey 1837, S. 278. ↑ zurück

Anm. 2: Bayr. Statistisches Landesamt 1928, S. 751. ↑ zurück

Anm. 3: Alemannia judaica; Gedenkbuch, Bundesarchiv (Hg.). ↑ zurück

Anm. 4:  Kukatzki, S. 2. ↑ zurück

Anm. 5: ebd.; Krienke 1998, s. 298. ↑ zurück

Anm. 6: Kukatzki, S. 2. ↑ zurück