Erinnerungskultur

Jährlich finden Anfang August Veranstaltungen
zum Gedenken an die Opfer des 2./3. August
1944 statt. An diesem Tag ermordete die SS im
sogenannten „Zigeunerlager“ von Auschwitz-
Birkenau mehrere tausend Sinti und Roma
Zudem finden Gedenkfahrten nach Auschwitz-
Birkenau statt. Das Bild zeigt eine der ersten.

Geschichte der Erinnerungsarbeit

Jahrzehntelang fand aufgrund der fortbestehenden Diskriminierung eine Erinnerung an den Völkermord an den Sinti und Roma nur im privaten Bereich der Überlebenden und ihrer Familien statt. Seit den 1970er-Jahren änderte sich dies allmählich durch den Kampf der Bürgerrechtsbewegung. Im Jahr 1973 konnte mit einer Stele am Ort des ehemaligen „Zigeunerlagers“ in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau erstmals ein öffentliches Erinnerungszeichen an den Völkermord eingeweiht werden. Die Gedenkstele wurde privat von Vinzenz Rose, dem damaligen Vorsitzenden des Verbands Deutscher Sinti, gestiftet. Seit 1994 findet jedes Jahr in der letzten Sitzung des Bundesrats eine Gedenkstunde für die Opfer des Völkermords an den Sinti und Roma statt. Das Jahresende wurde bewusst gewählt, da Heinrich Himmler am 16. Dezember 1942 den Deportationsbefehl für Sinti und Roma in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau erlassen hatte. 1997 konnte das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg eröffnet werden, in dem eine Dauerausstellung zum Völkermord gezeigt wird. Seit 2001 gibt es eine solche im Staatlichen Museum Auschwitz. Im Jahr 2012 folgte in Berlin die Errichtung einer zentralen Gedenkstätte zur Erinnerung an den Völkermord an den Sinti und Roma.Geschichte der Erinnerungsarbeit Jahrzehntelang fand aufgrund der fortbestehenden Diskriminierung eine Erinnerung an den Völkermord an den Sinti und Roma nur im privaten Bereich der Überlebenden und ihrer Familien statt. Seit den 1970er-Jahren änderte sich dies allmählich durch den Kampf der Bürgerrechtsbewegung. Im Jahr 1973 konnte mit einer Stele am Ort des ehemaligen „Zigeunerlagers“ in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau erstmals ein öffentliches Erinnerungszeichen an den Völkermord eingeweiht werden. Die Gedenkstele wurde privat von Vinzenz Rose, dem damaligen Vorsitzenden des Verbands Deutscher Sinti, gestiftet. Seit 1994 findet jedes Jahr in der letzten Sitzung des Bundesrats eine Gedenkstunde für die Opfer des Völkermords an den Sinti und Roma statt. Das Jahresende wurde bewusst gewählt, da Heinrich Himmler am 16. Dezember 1942 den Deportationsbefehl für Sinti und Roma in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau erlassen hatte. 1997 konnte das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg eröffnet werden, in dem eine Dauerausstellung zum Völkermord gezeigt wird. Seit 2001 gibt es eine solche im Staatlichen Museum Auschwitz. Im Jahr 2012 folgte in Berlin die Errichtung einer zentralen Gedenkstätte zur Erinnerung an den Völkermord an den Sinti und Roma.

„Es ist klar, dass wir durch den Tod der letzten Zeitzeugen neue Formate und Ansprachen entwickeln müssen, die einerseits politisch-historische Zusammenhänge verständlich erklären und anderseits in der Lage sind einen emphatischen Zugang zu schaffen. Dies kann durch Zweit- oder Drittzeugen-Konzepte ebenso funktionieren wie durch die Einbeziehung von neuen Technologien. Wichtig ist, die Verfolgungsgeschichten von Betroffenen weiterzuerzählen und deren Erfahrungen immer auch in Beziehung zur Gegenwart zu setzen.“

Jacques Delfeld Jr., Geschäftsführer des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Rheinland-Pfalz

 

Einweihung des Denkmals in Ludwigshafen
durch Jacques Delfeld Sr. und Oberbürgermeister
Wolfgang Schulte, 1993

Schweigemarsch am 16. Mai 2000 in
Mainz. Neben Überlebenden und ihren
Angehörigen hatten am Schweigemarsch
durch die Stadt auch prominente Politiker
wie der damalige Ministerpräsident
Kurt Beck teilgenommen

Gedenkinitiativen in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz setzte eine öffentliche Erinnerung im Zuge der Gründung des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma ein. Bereits Ende der 1980er-Jahre begannen Sinti mit der Aufarbeitung der Verfolgungsgeschichte in Landau bzw. der Pfalz. Dies mündete in einer „Geschichtswerkstatt“ und 1992 in der im Landauer Frank-Loebschen-Haus gezeigten Ausstellung „Die Überlebenden sind die Ausnahme“. Insbesondere auf Initiativen des Landesverbandes konnten in Ludwigshafen (1993), Worms (1994), Koblenz (1997), Landau (2001), Pirmasens (2001, ergänzt 2018), Trier (2012) und Mainz (2012) Denkmäler zur Erinnerung an die dort einst beheimateten Sinti und Roma errichtet werden. Der Landesverband organisiert außerdem regelmäßig Veranstaltungen zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar und zum internationalen Gedenktag an den Völkermord an den Sinti und Roma am 2. August. Zentral ist in Rheinland-Pfalz
das Gedenken an die Mai-Deportation im Jahr 1940. Zur Erinnerung an diese veranstaltet der Landesverband wiederholt Schweigemärsche. 1995 fand erstmals ein solcher Schweigemarsch auf den Hohenasperg statt.

Weitere Infos zu den Denkmälern in Rheinland-Pfalz finden Sie hier: Gedenkstätten in Rheinland-Pfalz

Projekt Hartenberg

In Mainz besteht u.a. seitens des Regionalverbands Deutscher Sinti und Roma Rheinhessen-Nahe der Wunsch, ein Dokumentations- und Begegnungszentrum auf dem Hartenberg einzurichten. Im Mittelpunkt der künftigen Arbeit dieses Zentrums soll die Nachkriegsgeschichte stehen. Besonders sollen die anhaltende Diskriminierung, der Sinti und Roma nach 1945 ausgesetzt waren, sowie ihre Wohnbedingungen in den Stadtrandsiedlungen thematisiert werden. Das Dokumentationszentrum soll in einer noch bestehenden Baracke eingerichtet werden, die beispielhaft für die erzwungene Wohnsituation nach 1945 auf dem Hartenberg steht. Die Baracke, die bis in die 1960er-Jahre bewohnt wurde, ist heute die einzige noch erhaltene. Das Dokumentationszentrum würde einen Beitrag sowohl zur Erinnerungsarbeit als auch zur historisch-politischen Bildung leisten.

Literatur (Auswahl)

Verband Deutscher Sinti Landesverband Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Katalog zur Ausstellung „Die Überlebenden sind die Ausnahme“. Der Völkermord an Sinti und Roma. Eine Ausstellung des Verbandes Deutscher Sinti Landesverband Rheinland-Pfalz. Landau 1992.

Gress, Daniela: Nachgeholte Anerkennung. Sinti und Roma als Akteure in der bundesdeutschen Erinnerungskultur. In: Neumann-Thein, Philipp/ Schuch, Daniel & Wegewitz, Markus (Hrsg.): Organisiertes Gedächtnis. Kollektive Aktivitäten von Überlebenden der nationalsozialistischen Verbrechen. Göttingen 2022, S. 425-458.

Delfeld, Jacques Sr. (Hrsg.): 20 Jahre für Bürgerrechte. Verband Deutscher Sinti und Roma Landesverband Rheinland-Pfalz. Landau 2005.